Tinnitus Informationstag

Veranstalter waren die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL) und die Tinnitus Selbsthilfe München

Tinnitus Betroffenen Seminar (TBS)


Am 16.11.2023 veranstaltete die Tinnitus Selbsthilfe München zusammen mit der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. (DTL) einen Tinnitus-Informationstag in der Kultur-Etage Messestadt München Riem. Zuletzt wurde eine derartige Veranstaltung von der DTL vor 8 Jahren veranstaltet. Die DTL fragte nach Betroffenen die Interesse haben, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Seitdem gibt es die Tinnitus Selbsthilfe München.

 

Es haben sich über 140 Teilnehmer über eine eigens für diesen Tag geschaffene Webseite angemeldet. Am 14.11., also 2 Tage vor der Veranstaltung, kündigte die GDL einen 2-tägigen Warnstreik der Lokführer an. Somit fuhren am 16.11. in München und Umland weder S-Bahnen noch der Zug-Nahverkehr. Teilnehmer aus dem Umland konnten so nur mit PKW anreisen. Letztlich waren es dann doch noch 94 Teilnehmer.

 

Bernd Strohschein, Vorstandsvorsitzender der DTL und Gruppensprecher der SHG München begrüßte die Teilnehmer und bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen.

 

Von der HNO-Klinik Dr. Gaertner in München Bogenhausen trugen HNO Ärztin Frau Dr. Laura Gaertner, stv. Ärztliche Direktorin und Prof. Dr. med. Astrid Zobel, ärztliche Leiterin der Tagesklinik vor.

Frau Dr. Gaertner stellte die Klinik vor, die bereits 1953 gegründet wurde und mittlerweile in der dritten Generation als Familienbetrieb geführt und seit 2015 von einer gemeinnützigen Stiftung getragen wird. Die Klinik gliedert sich auf in ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit ambulanter, HNO-Allgemeinärztlicher Versorgung, einem Schlaflabor, einer HNO-Chirurgie sowie der HNO-Psychosomatischen Tagesklinik.

Hier werden Patienten mit dekompensiertem Tinnitus behandelt, orientiert an der S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus. Schwerpunkt ist hier die Diagnostik psychischer Störungen. Hierzu gehören unter anderem hörverbessernde Maßnahmen, Counselling und psychotherapeutische Interventionen.

Auch die Diagnostik und Behandlung von Schwindel finden hier statt.

 

In einem zweiten Vortrag stellte Bernd Strohschein die Deutsche Tinnitus-Liga mit all ihren Leistungen vor. Da etwa die Hälfte der Zuhörer keine Mitglieder der DTL waren, rief er zur Mitgliedschaft und Stärkung der Gemeinschaft auf.

 

Dr. Volker Kratzsch, ärztlicher Direktor der VAMED Rehaklinik in Bad Grönenbach widmete seinen Vortrag der S3 Leitlinie Chronischer Tinnitus. Leitlinien werden von medizinischen Fachgesellschaften herausgegeben und fassen aktuelle Informationen zu einzelnen Krankheitsbildern zusammen und diese geben den Ärzten und Therapeuten gewichtige Therapie-Empfehlungen. Leitlinien haben unterschiedliche Wertigkeitsstufen (S1-S3), wobei diese S3 Leitlinie eine hohe Wertigkeitsstufe hat und somit eine umfangreiche Behandlungsempfehlung darstellt. Leitlinien sind juristisch nicht verbindlich, Abweichungen hiervon müssen allerdings begründet werden. Maßgebliche Mitglieder dieser Leitlinienkommission sind auch Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der DTL.

Weiterhin ging Dr. Volker Kratzsch auf den chronischen Tinnitus ein und berichtete über die weltweite Prävalenz, Altersverteilung, die Behandlungsbedürftigkeit und die Haupt-Belastungsfaktoren für ein Tinnitus-Leiden.

Ausführlich beschrieb er dann die verschiedenen empfohlenen Behandlungsformen, angefangen bei der Hörhilfe bis hin zur kognitiven Verhaltenstherapie und auch darüber, was nicht hilft. Fast alle auf dem Markt befindlichen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Gerätschaften treiben den Tinnitus-Betroffenen in einen Kreislauf aus Hoffnung und Enttäuschung, die den Betroffenen letztlich in die Verzweiflung oder gar in eine Depression treiben.

 

Im Vortrag von Professor Dr. Gerhard Goebel, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der DTL, Berater des Vorstands und ehemaliger Chefarzt der Roseneck-Klinik Prien am Chiemsee, ging es die Hyperakusis. Hierunter versteht man im Allgemeinen eine

Geräuschüberempfindlichkeit. Nach genauerer Diagnostik gilt es herauszufinden, ob es sich um ein Phonophobie, Misophonie oder Recriutment handelt. Oft handelt es sich auch um Überlappungen verschiedener Ursachen. Diese verschiedenen Formen der Geräuschüberempfindlichkeit definierte er wie folgt:

·       Hyperakusis: bezieht sich auf das gesamte Frequenzspektrum von Tönen und Geräuschen, unabhängig von deren Bedeutung. Die Unbehaglichkeitsschwelle ist erniedrigt. Häufig besteht gleichzeitig ein Tinnitus.

·       Phonophobie: bezieht sich auf bestimmte Geräusche, deren Bedeutung und die damit verbundenen negativen Assoziationen, die beim Betroffenen Angst auslösen. Tinnitus besteht häufiger.

·       Misophonie: bezieht sich auf bestimmte Geräusche und deren Bedeutung, unabhängig von deren Lautheit, die beim Betroffenen Wut oder Ekel auslösen. Das Gehör ist weitgehend normal. Bei reiner Misophonie sind die Unbehaglichkeitsschwellen für Töne und Rauschen normal. Tinnitus besteht eher selten.

·       Recruitment: eine relevante Hörminderung muss vorliegen und die Geräuschüberempfindlichkeit muss auf den Frequenzbereich der Hörminderung beschränkt sein. Tinnitus besteht im Zusammenhang mit der Schwerhörigkeit.

Ausführlich ging Prof. Goebel auf Ursache und Auswirkung der einzelnen Geräuschempfindlichkeiten ein.

 

Danach berichtete Bernd Strohschein über die Münchener Selbsthilfegruppe. Neben den monatlichen Gruppentreffen werden zusätzlich auch in einem Beratungsbüro Betroffene ausführlich beraten. Weiterhin gehören freizeitliche Unternehmungen zum Programm. Er wies auch darauf hin, dass die neue S3 Leitlinie Chronischer Tinnitus auch die Selbsthilfe empfiehlt, was den ehrenamtlich Engagierten in ihrer Arbeit bestätigt. Da auch in der Münchener Gruppe Nachwuchs für die Organisation fehlt, rief Bernd Strohschein zum Engagement auf und bat Interessierte, sich in einer Liste einzutragen.

 

Der letzte Vortrag wurde gehalten von Georg Thaller (Hörgeräte Seifert). Er sprach über die Wichtigkeit der Hörgeräteanpassung, die auch in den vorangegangenen Vorträgen immer wieder hervorgehoben wurde. Wichtig ist hier eine gute Zusammenarbeit zwischen den HNO-Ärzten und dem Hörgeräte-Akustiker. Eine über Jahre verlaufende Betreuung von Hörgeschädigten durch den Akustiker sei sehr wichtig, weil die Hörgeräte immer wieder neu justiert werden müssen, um ein gutes Hörergebnis sicher zu stellen.

 

Zum Abschluss kamen nochmals alle Referenten auf die Bühne, um Fragen der Besucher zu beantworten.

 

Gefördert wurde die Veranstaltung von den gesetzlichen Krankenkassen und deren Verbände in Bayern.



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